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Karl Leisner
Visionär eines geeinten Europas

Zum Inhalt


Gleich nach dem Abitur, 1934, schreibt Karl Leisner in sein Tagebuch: … Und dann nach bestandener Prüfung die frische Arbeit im Bezirk. Heute hier, morgen da! Wie ein ‚rasendes Ungeheuer’ fizte ich durch den ganzen Kreis. Eine Scharstunde nach der anderen. Heute bei den Präsides in Goch, bei Kpl. Bühren, bei Kpl. Wormland. Morgen Führerbesprechung in Pflazdorf, in Kranenburg. Alles klappt! Feine Führer, frische Jungens, Begeisterung! Höhepunkt brennende Herzen für Christus, unseren und meinen Führer, strahlende Jungenaugen, glänzende Bubengesichter! Das werden einmal Heilige! …Wir halten die Treue. Alles wird überwunden: Heiserkeit, Erkältung, Schlappheit! Wie ein müder Hund falle ich manchmal kurz vor oder auch nach Mitternacht in die Klappe, … Es macht viel Arbeit, aber noch mehr Freude! Man wächst, trotzdem man sich immer mehr ausgibt.
H.-K. Seeger zeichnet in knappen Zügen die Biographie des Mannes, dessen Jugend im Dachauer KZ endete und den Johannes Paul II. 1996 seliggesprochen hat. Die Biographie, die vorwiegend aus Tagebuchaufzeichnungen besteht, vermittelt ein anschauliches Bild dieses lebensfrohen und engagierten jungen Mannes, dessen Glauben viele junge Menschen in den Bann zog und in bewegter Zeit das Zeugnis eines klaren kulturellen Urteils aufleuchten ließ.
Christus, du bist meine Leidenschaft! – die Tagebücher bezeugen, dass dieses Motto nicht „nur“ Frömmigkeit, sondern Lebensintelligenz und durch manches Ringen gereifte Erfahrung war. Ein großer Zeuge seiner Zeit – ein großer Fürsprecher für unsere Zeit.

Hans-Karl Seeger, Karl Leisner – Visionär eines geeinten Europas. Topos plus Taschenbücher, Kevelaer 2006 (ISBN 3-7867-8563-5). € 8,90.